Nachts auf der Museumsinsel

Es gehört zu den vielen angenehmen Seiten meines Jobs, dass ich viel herumkomme und in den unterschiedlichsten Städten und Gemeinden arbeite. Aber manchmal bleibt wenig Zeit, sich auf Ort und Atmosphäre einzulassen. Ihr kennt das vermutlich. Kaum angekommen, ist man häufig total verplant mit Terminen. Da ist es schön, wenn man an vertraute Orte kommt. Zum Beispiel nach Berlin, meiner alten Heimatstadt. Hier komme ich auch mit wenig Zeit zurecht. Doch der Reihe nach.

Ich bin spät in der Hauptstadt angekommen, weil ich zuvor noch in Frankfurt gearbeitet habe. Die zwei Tage in Berlin waren dann vollgepackt mit Workshops und einer Abendveranstaltung, und am zweiten Tag musste ich direkt nach Abschluss der Arbeit wieder in den Zug springen. Ich habe das alles vorher gewusst, schleppe aber trotzdem meine Fotoausrüstung mit. Denn trotz aller Hektik gibt es einen Moment, der nur mir gehört: Der frühe Morgen. Und weil ich in Hotels sowieso selten wirklich gut schlafe, stehe ich meist sehr früh auf und breche zu einem ausgedehnten Morgenspaziergang auf.

In der sonst so hektischen Stadt ist es dann erstaunlich ruhig. Nur ein paar Jogger sind unterwegs, sonst scheint Berlin (hoffentlich) noch zu schlafen. Wenn dann noch leichter Nebel über der Stadt liegt, entsteht eine ganz eigene Stimmung. Eine Stimmung, die ich immer wieder sehr mag und für die ich immer wieder gerne früh aufstehe.

Diesmal habe ich bei meinem frühmorgendlichen Streifzug wieder einmal die Museumsinsel angesteuert und dort vor allem das Bode-Museum. Ich hoffe auf ein wenig blaue Stunde, doch sieht es bei dem Nebel und den Wolken darüber nicht danach aus, als ob hier und heute noch etwas passiert. Wie man sich doch täuschen kann. Es ist erstaunlich windstill und doch lösen sich sowohl Nebel als auch die Wolkendecke nach und nach auf.

Auf zu neuen und doch vertrauten Ufern an der Museumsinsel

Von meinem Hotel aus sind es nur wenige Schritte bis in den James-Simon-Park, von dem man wohl eine der schönsten Aussicht auf die Museumsinsel hat. Und weil es so windstill ist, gibt es eine tolle Spiegelung. Was für ein Anblick.

Abendliche Aussicht auf die Museumsinsel in Berlin mit dem Berliner Dom und der Alten Nationalgalerie, reflektiert im Wasser des Spreeufers, umgeben von stimmungsvollem blauem Himmel.

Zeitreise zum Berliner Dom

Es zieht mich weiter entlang der Spree. Und schon nach wenigen Metern baut sich das nächste schöne Motiv vor mir auf: Der Berliner Dom hinter der Friedrichsbrücke. Bei dem Licht und der alten Architektur fühle ich mich für einen kurzen Moment in der Zeit zurückversetzt.

Berliner Dom bei Dämmerung, reflektiert im Wasser des Spreeufers, mit der Oberbaumbrücke im Vordergrund und städtischer Architektur im Hintergrund.

Auf zur Alten Nationalgalerie

Ich biege rechts ab. Die Alte Nationalgalerie mit ihrem Kolonnadengang zieht mich immer wieder magisch an. Auch dieses Bild habe ich für mich alleine. Es ist nicht so, dass mich Menschen stören. Ganz im Gegenteil. Ein weiterer Vorzug meines Jobs ist es, dass ich immer wieder mit neuen Menschen zu tun habe. Gerne tausche ich mich mit anderen aus und sehr gerne ziehe ich auch mit befreundeten Fotografinnen und Fotografen los. Hier und heute bin ich aber alleine. Und kann das durchaus genießen.

Altes Museum in Berlin bei Nacht, beleuchtet mit bunten Lichtern. Die beeindruckende Fassade zeigt klassische Säulen und eine Statue auf dem Dach. Im Vordergrund sind die Treppen und kunstvoll geschnittene Hecken zu sehen.

Am Bode-Museum

Nach einer Weile gehe ich weiter. Die James-Simon-Galerie ist ein sehr schöner, moderner Bau, mit dem ich mich auch nochmal näher befassen möchte. Heute aber ziehe ich an ihm vorbei zum Bode-Museum, das noch ganz im Dunklen liegt. Auch hier ist es wie eine kleine Zeitreise und das Licht der historischen Straßenlaternen gibt dem ganzen etwas Mystisches, finde ich.

Historisches Gebäude des Bode-Museums in Berlin bei Nacht, beleuchtet von Straßenlaternen, mit reflektierenden Pflastersteinen im Vordergrund.
Blick auf das Bode-Museum in Berlin bei Nacht, mit einer Statue im Vordergrund und beleuchteten Fenstern, die die historische Architektur betonen.

So langsam muss ich zurück ins Hotel. Frühstück und Arbeit rufen, der Tag wartet nicht. Ich mache mich also auf den Heimweg, bleibe jedoch nach ein paar Metern nochmals stehen und schaue vom Ufer ein letztes Mal hinüber zum Bode-Museum.

Blick auf das Bode-Museum in Berlin bei Dämmerung, reflektiert im Wasser, umgeben von herbstlichen Blättern. Die warmen Lichter des Museums strahlen eine einladende Atmosphäre aus.

Es ist heller geworden und ich stehe im tiefsten Winter unter einem belaubten Baum. Ich atme tief ein und versuche, diese Stimmung mitzunehmen. Ein Foto habe ich natürlich auch noch gemacht.

Es sind genau diese kurzen Augenblicke zwischen Ankommen und Weiterreisen, zwischen Ruhe und Verpflichtung, die für mich immer wieder besonders wertvoll sind. Auch wenn die Zeit knapp ist, fühlt sich mein Spaziergang am frühen Morgen wie eine kleine Meditation an. Zen-Fotografie eben. All das kostet mich gar nichts. Abgesehen davon, dass ich mich überwinden muss, zu nachtschlafender Zeit loszuziehen.

Berlin macht es mir leicht. Die Stadt zeigt sich mir heute von ihrer schönsten Seite. Und vielleicht sind diese Schönheit im Alltäglichen, die nächtliche Einsamkeit und ja, auch die Ruhe in dieser tagsüber so lauten Stadt, die mich immer wieder hierherzieht und die mich immer wieder früh aus den Federn treibt. Ich weiß jetzt schon, dass ich wiederkommen werde. Selbst wenn ich nicht viel Zeit habe.


Ich bin ein Berliner

Wenn du Lust hast, Berlin aus unterschiedlichen fotografischen Blickwinkeln zu erleben, findest du hier weitere Spaziergänge durch die Stadt:

📷 Fotografieren in Berlin – Architektur im Fokus
Ein Blick auf Linien, Formen und die Architektur der Stadt.
👉 https://hinterlandscapes.com/2024/07/11/fotografieren-in-berlin-architektur-im-fokus/

✈️ Der Flughafen, der nie fertig wurde
Ein Ort zwischen Vision, Stillstand und Wandel. Fotografische Impressionen vom Flughafen Tempelhof.
👉 https://hinterlandscapes.com/2025/06/11/der-flughafen-der-nie-fertig-wurde/

🏊 Stadtbad Lichtenberg – ein Lost Place, der in Erinnerung bleibt
Ein Ort, der mich auch schon sehr lange begleitet und an dem die Zeit irgendwie stillzustehen scheint.
👉 https://hinterlandscapes.com/2025/05/13/stadtbad-lichtenberg-ein-lost-place-der-in-erinnerung-bleibt/

🎨 Tacheles Revisited – Exit through the Gift Shop
Zwischen Kunst, Geschichte und Transformation. Wohl nirgendwo ist die Veränderung Berlins so erfahrbar wie im ehemaligen Tacheles.
👉 https://hinterlandscapes.com/2025/04/04/tacheles-revisited-exit-through-the-gift-shop/

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